25. September 2017

Als Mutter eines Sohnes, der eine schwierige Schulzeit hinter sich gebracht hat, und auch als Schulsozialarbeiterin möchte ich eine Stellungnahme zur Bedeutung der Produktionsschulen am Beispiel meines Sohnes abgeben:

Mein Sohn, der nun erfolgreich seinen Abschluss an der Produktionsschule Altona absolviert hat, hatte bis dato mit Schulangst und mit schulischem Versagen zu kämpfen. Seine schulischen Misserfolge resultierten aus seiner sozialen Unsicherheit und der fehlenden angemessenen schulischen Unterstützung. Er hatte in der Schule, so formulierte er es, das Gefühl verkehrt zu sein, dass dort kein Raum für ihn sei; er fühlte sich beengt. Es gab Zeiten, in denen er am liebsten die Schule verweigert hätte.

Er hat einige Schulen besucht, erst eine Stadtteilschule, später eine Privatschule. An keiner der Schulen fühlte er sich aufgehoben und verstanden oder wurde entsprechend seiner Schwierigkeiten unterstützt. Es kam gehäuft zu Missverständnissen, zu Fehleinschätzungen seiner Person, was seine Probleme verschärfte. Er schaffte seinen Abschluss nicht. Er wurde diesbezüglich auch nicht unterstützt, sondern vielmehr abgestempelt und „abgehakt“.

Aufgrund dieser negativen Erfahrungen wechselte er an die Produktionsschule Altona. Schon nach dem ersten Gespräch mit dem Anleiter schöpfte er neue Hoffnung. Ihm wurde erklärt, dass es an dieser Schule zunächst um kleine Fortschritte gehen würde und darum, dass die Schüler/innen erneut Mut fassen und wieder an sich und an ihre Fähigkeiten glauben.

So war es dann auch. Zusätzlich wurde dies durch die praktische Arbeit in den Werkstätten unterstützt. Dadurch, dass echte Kundenaufträge bearbeitet wurden, dass die Schüler/innen dafür Geld erhielten, machten sie die Erfahrung, dass sie eine Arbeit erfolgreich beenden können. Diese andere Schulstruktur tat meinem Sohn gut und bewährte sich. Er ging das erste Mal gerne zur Schule.

Wesentliches Merkmal der Produktionsschulen ist aber aus meiner Sicht die Haltung zum Menschen: Die Jugendlichen anzuerkennen und sie dort „abzuholen, wo sie sind“ (wie es immer so schön an den Inklusionsschulen heißt).

Die Produktionsschulen tun genau dies und heben sich insofern positiv von anderen Schulen ab. Sie fangen dort an, wo andere aufgehört und aufgegeben haben. Dies tun sie sogar ohne Extrabudget für die Schüler mit Förderbedarf. Zudem wurde ich als Mutter mit meinen Fragen, Sorgen und Anmerkungen ernst genommen. Die Lehrenden waren stets um einen Austausch bemüht und diesen erlebte ich auf Augenhöhe und als wertschätzend. Das beruhigte und entlastete mich – nach den nicht förderlichen Elterngesprächen an den vorherigen Schulen – nicht nur sehr, sondern es war auch unterstützend für meinen Sohn.

Mein Sohn hat mit dieser Unterstützung seinen Abschluss an der Produktionsschule geschafft, wie viele andere Schüler/innen auch, die es an anderen Schulen nicht geschafft haben. Das war eine wichtige persönliche Erfahrung. Zudem ist ein Abschluss aber auch die Eintrittskarte für die Arbeitswelt und für eine gesellschaftliche Teilhabe.

Darüber hinaus hat mein Sohn durch das praktische Arbeiten in der Werkstatt eine Idee davon erhalten, in welche Richtung es beruflich einmal gehen könnte.

Die Produktionsschulen fangen die Schüler/innen auf, die schon keine Chance mehr im Leben bzw. Arbeitsleben sehen und bringen sie weiter. Es gibt keine andere Alternative hierzu. Dies sehe ich so als Mutter und als Pädagogin. Deshalb vermittle ich als Schulsozialarbeiterin immer wieder gerne Schüler an die Produktionsschule.

Auch viele meiner Kolleg/innen und auch Förderschullehrer/innen bestätigen dies. Sie sagen, dass sie gar nicht wüssten, was manche ihrer Schüler/innen machen sollten, wenn es die Produktionsschulen nicht gäbe.

Die Produktionsschulen sollten m. E. unbedingt weiter ausgebaut und finanziell unterstützt werden, damit noch mehr Schüler/innen von dieser Schulform profitieren und auf einen guten Weg gebracht werden können.

Ich bin auch davon überzeugt, dass sich die Produktionsschulen für viele Schüler/innen bereits nach Klasse 9. eignen, auch wenn sie schon ihren Abschluss erreicht haben. Dies, weil die andere Schulstruktur, der Praxisanteil – vermittelt von Anleitern aus der Praxis – eine neue Chance bietet.